Trumps Iran-Krieg: Klares Indiz für systematische Politikfehler
Donald Trump hat die USA in ein autokratisches System verwandelt, wo nur noch der Mann an der Spitze bestimmt. Wie die Geschichte lehrt, erzeugt dieses Herrschaftsprinzip per Definition ernsthafte Politikfehler. Exemplarisch zeigt sich das aktuell in Trumps planlosem Iran-Krieg. Für Fehler dieser Art bezahlt die ganze Welt einen hohen Preis.
Krieg gegen den Iran gefährdet globale Lieferketten
Mit seinem überraschenden Militärschlag gegen den Iran hat Donald Trump nicht nur die USA, sondern auch den Rest der Welt in eine schwierige Situation gebracht. Der Krieg wurde schnell zum Flächenbrand und erreichte die gesamte Golfregion. Die Sorglosigkeit reicher Öl-Emirate und deren Versprechen von Frieden und Wohlstand ist schlagartig herausgefordert. Zudem blockiert die weitgehende Schließung der Straße von Hormus einen der wichtigsten Transportkorridore der Weltwirtschaft: Rund 20 bis 25 Prozent der globalen Öl- und Gastransporte laufen in normalen Zeiten durch diesen maritimen Engpass. Hauptabnehmer sind vor allem Indien, China und andere asiatische Länder, die nun bereits unter Knappheitstendenzen leiden. Diese Fakten sind hinlänglich bekannt und spiegeln sich im scharfen Anstieg der Öl- und Gaspreise in den letzten vier Wochen (siehe Grafik 1: Scharfer Anstieg von Öl- und Gaspreisen).
Der Preis- und Angebotsschock aus der Golfregion überträgt sich bereits in die Weltwirtschaft und wirkt als akuter Belastungsfaktor – nicht zuletzt über rapide steigende Preise für Dieselkraftstoff: Diesel ist noch immer ein zentraler Treibstoff der globalen Wirtschaft. Preissprünge und Verknappungen dort belasten nicht nur den Transportsektor, sondern führen auch zu einer Verteuerung zahlreicher Transportgüter und Lebensmittel. Dieser Effekt ist beim Einkauf im Supermarkt bereits spürbar und schürt Sorgen vor erneut anziehender Inflation.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Neben Öl und Gas stammen auch wichtige Vorprodukte aus der Golfregion – darunter etwa Phosphat und Ammoniak. Beides ist für Dünger und andere Grundstoffe unverzichtbar. Wichtige Produzenten wie Katar mussten bereits Anlagen stilllegen, was die weltweite Verfügbarkeit von Ammoniak abrupt einschränkt. Auch Saudi-Arabien, ein wichtiger Phosphatlieferant, leidet unter kriegsbedingten Einschränkungen. Dieser Aspekt könnte gravierende Folgen haben, denn: Dünger ist als Grundlage der weltweiten Landwirtschaft nicht nur ein „unersetzliches“, sondern auch ein „zeitkritisches“ Produkt: Bleiben Düngerlieferungen aus, leidet die Agrarwirtschaft, was zwangsläufig steigende Nahrungsmittelpreise nach sich zieht. Dieses Risiko scheint erst allmählich an den weltweiten Finanzmärkten erkannt zu werden – doch eine Verschärfung ist absehbar. Auch dieser Punkt wirkt als Treiber globaler Inflationserwartungen – erkennbar an zuletzt sprunghaft gestiegenen Zinsen.
Speziell aus Sicht der USA sind ferner die rein materiellen Kosten des Kriegs relevant, die schon nach wenigen Tagen deutlich zweistellige Milliardenbeträge erreicht haben. Inzwischen hat der US-Verteidigungsminister für den Irankrieg sogar ein Budget in Höhe von 200 Mrd. US-Dollar beantragt, was sowohl die Staatsverschuldung als auch die Zinsausgaben der USA weiter nach oben treiben wird (siehe Grafik 2: Zinsausgaben der US-Regierung).
Mangelnde Impulskontrolle oder Geostrategie?
Beim Blick auf diese gravierenden Belastungen stellen sich drei entscheidende Fragen: Warum hat US-Präsident Donald Trump den Krieg gegen den Iran überhaupt begonnen? Verbirgt sich dahinter Planlosigkeit oder eine größere Strategie? Und noch wichtiger: Leiden die USA als Ganzes inzwischen unter systematischen Politikfehlern?
Die erste Frage ist derzeit Gegenstand zahlreicher Analysen und wird wohl nie ganz klar zu beantworten sein. Der Verdacht, es gehe den USA vorwiegend um Kontrolle über wichtige Ölvorkommen in der Golfregion, ist aber nicht unplausibel. Dass nach Venezuela nun mit dem Iran ein weiterer wichtiger Rohstofflieferant und Verbündeter von China attackiert wurde, gibt zu denken und spricht für eine ausgeprägte geostrategische Zielsetzung. Gemäß dieser Logik versuchen die USA, China von wichtigen Ressourcen abzuschneiden und so dessen weiteren Aufstieg zu bremsen. Mit Blick auf den Zeitpunkt des Angriffs dürften vor allem taktische Überlegungen, darunter Israels militärisches Vorrücken in der Region, als „Trigger“ gedient haben.
Die Antwort auf die zweite Frage ist folglich „sowohl als auch“: Zwar wirkt die Ausführung des eigentlichen Angriffs auf den Iran sehr kurzsichtig und wenig durchdacht – dahinter könnte aber durchaus ein geostrategisches Muster mit weitreichenden Zielen stehen.
Damit wird die Antwort auf die dritte Frage besonders wichtig: Kann es sein, dass Donald Trump die offensichtlichen – und seit Jahrzehnten bekannten – Risiken eines Irankrieges völlig unterschätzt hat? Oder setzte er sich – seinem Naturell folgend – über bestehende Risikoanalysen und begründete Bedenken hinweg? Viele Indizien sprechen für letztere Annahme: Offenbar wurden klare Warnungen der zuständigen Militärplaner so lange verwässert, bis ein „günstiges“ Risikoprofil übrigblieb. Der schnelle Erfolg der USA in Venezuela dürfte eine insgesamt risikofreudige Grundhaltung noch verstärkt haben. Hingegen wurden klar erkennbare Risiken, darunter die Bereitschaft des iranischen Regimes zu regionaler Eskalation sowie die Einbeziehung der Straße von Hormus als Druckmittel, offenbar ausgeblendet. Es scheint, dass Trumps militärischer Beraterstab zum Thema Iran keine wirklich ausgewogene oder gar kontrovers-kritische Risikoanalyse vorlegen durfte – stattdessen gab man dem „Commander in Chief“ überwiegend die positiven Antworten, die dieser verlangte.
Autokratischer MAGA-Kult erzeugt systematische Politikfehler
Der letztgenannte Punkt, der durch seriöse Quellen bestätigt wird, ist von enormer Wichtigkeit. Er deutet auf ein fundamentales Risiko der aktuellen US-Politik hin. Überhastete und wenig durchdachte politische Vorstöße (Stichwort „Grönland“) – bis hin zum Anzetteln eines Krieges in einer der ökonomisch sensibelsten Regionen der Welt – zeigen ein klares Muster: Unter Donald Trump leiden die USA inzwischen akut an einer Kultur systematischer Politikfehler.
Dieses Problem ist nahezu zwangsläufig – es findet sich in jedem politischen Regime, das stark durch autokratische Strukturen geprägt ist. Aktuelle Beispiele dafür bieten Russland unter Wladimir Putin, mit leichter Einschränkung auch China unter Xi Jinping – sowie neuerdings die USA.
Das jeweilige Grundprinzip ist klar: Je stärker die Gesamtheit der Entscheidungsbefugnisse – also die politische Macht – auf einen „starken Mann“ an der Spitze konzentriert wird, desto weniger greifen breitere Korrektur- und Ausgleichsmechanismen. An der Spitze der Macht bleiben wichtige Informationen und Expertenmeinungen oftmals unbeachtet oder werden – wie zuletzt in den USA – gezielt ausgetrocknet und oft sogar politisch geächtet.
Zwangsläufig trifft in derartigen Systemen der Machthaber seine Entscheidungen auf Grundlage unvollständiger, einseitiger oder gezielt „aufgehübschter“ Informationen. Kritische Reflexionen und alternative Szenarien werden systematisch unterdrückt oder opportunistisch ausgeblendet – immer mit dem Ziel, dem Mann an der Spitze zu gefallen. Politische Führung degeneriert dann zu einem Mix aus Ignoranz, Überheblichkeit und schwerwiegenden Informationslücken („Blindspots“).
Ergebnis dieser autokratischen Zuspitzung sind systematische Politikfehler – die zu schwerwiegenden Fehleinschätzungen mit oftmals katastrophalen Folgen führen können. Ein Beispiel dafür liefert Russlands Präsident Putin, der 2022 den Angriff gegen die Ukraine auf Grundlage einseitiger Informationen und unrealistischer Annahmen befohlen hatte.
Die Kosten autokratischer Selbstgefälligkeit
Mit Donald Trumps MAGA-Ideologie herrscht inzwischen auch in den USA eine Kultur autokratischer Selbstgefälligkeit. Loyale Gefolgsleute wie US-Verteidigungsminister Pete Hegseth zelebrieren ein Bild absoluter Unfehlbarkeit – selbst in so komplexen Fällen wie dem Iran. Die Realität zeigt jedoch ein anderes Bild: Vor dem Angriff gegen den Iran wurden wichtige Informationen und Risikoanalysen offenbar ebenso ignoriert wie das konsequente „Durchdenken“ unberechenbarer Kriegsfolgen. Die gezielte Blockade der Straße von Hormus sowie deren anhaltende Bedrohung durch „asymmetrische Angriffe“ hätten – als plausible Risiken – einem gründlichen Militärplaner nicht entgehen dürfen, ebenso wenig wie die Strategie des Iran, die gesamte Golfregion in den Konflikt zu verwickeln. Teilweise verantwortlich dafür ist sicher auch die – oftmals rein ideologiegetriebene – Ausdünnung wichtiger Abteilungen und Expertenstäbe. Auch der Angriff auf ein iranisches Schulgebäude basiert wohl auf leichtfertiger und überhasteter Übernahme veralteter Daten.
Sowohl Hegseth als auch Trump droht nun am Golf ein Schlamassel, das die USA ins moralische Abseits führt – zugleich aber der Weltwirtschaft enorme Risiken aufbürdet. Da sich das iranische Regime nur mit Luftschlägen kaum „wegbomben“ lässt, stehen die USA vor einem echten Problem. Trumps hilflos wirkende Versuche, zuletzt sogar China und die NATO zu militärischer Unterstützung am Golf zu drängen, verdeutlichen das tiefe Dilemma.
Trump sollte wissen: Kriege werden fast immer teurer als erwartet, und sie werden stets auch an der Heimatfront geführt. Seine eigenen Wähler werden kaum erfreut sein, dass die Benzinpreise in den USA zuletzt deutlich gestiegen sind. Vor dem Hintergrund hoher Lebenshaltungskosten sowie näher rückenden Zwischenwahlen („Midterms“) ist das keine gute Ausgangslage für die Trump-Regierung (siehe Grafik 3: Zustimmungswerte für US-Präsidenten Donald Trump).
Komplexe Herausforderungen für Unternehmer und professionelle Investoren
Bislang sind weder der weitere Verlauf noch die Dauer oder gar der finale Ausgang des Krieges am Golf absehbar. Irans Absicht ist es, den Konflikt zeitlich und regional auszudehnen, um die Ölpreise längerfristig nach oben zu treiben – und somit auch die ökonomischen Kosten für die gesamte Welt. Der Iran hat sich seit Jahren auf genau diese Strategie vorbereitet und scheint dafür noch immer über wirksame Methoden und entsprechendes Militärarsenal zu verfügen.
Sollte das iranische Kalkül aufgehen, dürfte wohl zuerst Donald Trump auf ein rasches Kriegsende drängen – oder schon bald einen halbherzigen „TACO-Deal“ eingehen. Denn eines ist klar: Die USA stehen unter hohem Zeitdruck. Schon aus innenpolitischen Gründen wird Trump alles versuchen, um ein Szenario mit anhaltenden iranischen Attacken und nachhaltig gestörten Ölmärkten zu vermeiden.
Kritischer Punkt ist weiterhin die Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Solange deren Passage nur für wenige Schiffe möglich ist, wirkt massiver Druck auf eine Vielzahl globaler Lieferketten. Da auch die Kosten für Schiffsversicherungen scharf angestiegen sind – oder diese komplett verweigert werden –, strahlt das Problem auf weite Teile des Welthandelssystems aus. Genau hier zeigt sich die Bedeutung maritimer Engpässe als gefährliche, aber oftmals stark unterschätzte geoökonomische Druckpunkte („Global Choke Points“).
Derzeit ist es nahezu unmöglich, für den weiteren Verlauf der Ölpreise und damit auch für die Entwicklung der Weltwirtschaft eine sinnvolle Prognose abzugeben. Unternehmer und professionelle Investoren sollten dennoch gewarnt sein: Die Situation am Persischen Golf dürfte auch nach einem Ende der Kriegshandlungen unübersichtlich bleiben. Israel und die USA haben einen Skorpion erweckt, der nicht mehr viel zu verlieren hat und weiter gefährlich bleiben kann. Dies spricht – zumindest aus heutiger Sicht – für längerfristig erhöhte Risikoprämien auf Öl und Gas. Sollten globale Inflationserwartungen weiter zunehmen, nicht zuletzt aufgrund steigender Nahrungsmittelpreise, hätten die Finanzmärkte in den kommenden Monaten ein schwieriges Umfeld vor sich. Vor diesen komplexen Herausforderungen schützt derzeit vor allem ein sehr breit diversifiziertes Multi Asset-Portfolio, das auch Rohstoffe aktiv gewichtet und hohe Exponierung in „Long Duration Assets“ vermeidet.
Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute, in The Market NZZ im März 2026.
Der Autor hat zum Hintergrund dieses Artikels bereits zahlreiche Analysen veröffentlicht, darunter insbesondere: „Global Choke Points – Maritime Engpässe als unterschätzter Risikofaktor für Weltwirtschaft und Geopolitik“.
Founder & Head of FERI Cognitive Finance Institute
Managing Director Corporate Communications