Nach den US-Midterms: Das „Dollar-Dilemma“ bleibt bestehen
- Spektakulärer Ausgang der Zwischenwahlen ändert nichts an der Schuldendynamik der USA
- Demokratische Mehrheit im Kongress wird unsolides Finanzgebaren der USA eher beschleunigen
- Zunehmende fiskalische Dominanz und Trend zur De-Dollarisierung belasten US-Finanzsystem
- Gezielte Politik finanzieller Repression langfristig wahrscheinlicher als akute US-Finanzkrise
Die US-Wähler haben bei den Zwischenwahlen am 3. November den Demokraten in beiden Kammern des Kongresses eine deutliche Mehrheit verschafft. Die Politik in den USA wird sich damit in vielen Bereichen spürbar verändern. Das „Dollar-Dilemma“ der Vereinigten Staaten besteht nach Einschätzung des FERI Cognitive Finance Institute jedoch unverändert fort. Denn nach wie vor gibt es einen gravierenden Zielkonflikt: Die USA wollen die globale Dominanz ihrer Währung bewahren, untergraben diese aber selbst – durch rapide steigende Staatsverschuldung, Bestrebungen zur Abwertung des Dollars und eine aggressive Zoll- und Sanktionspolitik. „Der Zustand der US-Staatsfinanzen wird sich auch mit der demokratischen Mehrheit im Kongress nicht grundlegend ändern – eher dürfte die negative Dynamik weiter zunehmen. Die finanzielle Basis der USA verschlechtert sich damit progressiv“, sagt Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute. Die US-Staatsverschuldung liegt bei mehr als 40 Billionen US-Dollar, rund ein Fünftel der Staatseinnahmen fließt in Zinszahlungen, und bis 2036 dürfte die Netto-Schuldenquote von rund 100 auf 120 Prozent des BIP steigen. In einer ausführlichen Analyse hat das FERI Cognitive Finance Institute bereits im September gewarnt, dass diese Entwicklung mittelfristig zum Risiko für das globale Finanzsystem werden könnte.
Reformblockade über Parteigrenzen hinweg
„Steigende Schulden ziehen höhere Zinskosten nach sich, und höhere Zinskosten erzeugen neue Schulden. Dieser Kreislauf hat in den USA eine starke Eigendynamik entwickelt, die sich strukturell verfestigt hat“, betont Rapp. Denn steigende Staatsverschuldung ist in den USA kein parteipolitisches Phänomen: Die Verschuldung sei unter den Republikanern George W. Bush und Donald Trump ebenso gestiegen wie unter den Demokraten Barack Obama und Joe Biden. Der politische Spielraum für Kurskorrekturen ist gering. Rund zwei Drittel des US-Haushalts entfallen auf Pflichtausgaben wie Sozialversicherung, Gesundheitswesen und Veteranenversorgung, nur etwa ein Viertel des Budgets wird jährlich neu verhandelt. Steuererhöhungen gelten seit Jahren als tabu, für Ausgabenkürzungen findet sich meist kein Konsens. „Neue Mehrheitsverhältnisse im Kongress verändern die US-Politik in vielerlei Hinsicht, die grundlegende Schuldendynamik werden sie jedoch nicht umkehren. Vielmehr werden die strukturellen Treiber der US-Staatsverschuldung vom Wahlausgang noch beschleunigt“, erklärt Rapp.
Finanzielle Repression als wahrscheinlichster Pfad
Schon heute zeigen die USA ein besorgniserregendes Finanzgebaren. Das US-Finanzministerium finanziert den Haushalt zunehmend über kurzlaufende Treasury Bills, die US-Notenbank plant unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh eine grundlegende Neuausrichtung, hat zugleich aber auch einen eklatanten Zielkonflikt. „Die Fed muss vor jedem Zinsschritt die Folgen für die Staatsfinanzen mitdenken. An diesem Regime fiskalischer Dominanz ändert das aktuelle Wahlergebnis nicht das Geringste“, so Rapp. Auch das internationale Vertrauen in den US-Dollar kehrt mit dem Wahlausgang nicht automatisch zurück: Schon heute liegt der Anteil des Dollars an den globalen Zentralbankreserven einschließlich Gold nur noch bei rund 40 Prozent. Dollarbasierte Stablecoins mit einer Marktkapitalisierung von rund 300 Milliarden US-Dollar schaffen zwar zusätzliche Nachfrage nach US-Schuldpapieren, können den strategischen Rückzug großer Investoren wie China aber nur teilweise ausgleichen.
Eine echte Finanzkrise in den USA hält das FERI Cognitive Finance Institute aber nicht für das wahrscheinlichste Szenario. Deutlich plausibler sei mittelfristig ein Umfeld finanzieller Repression mit höherer Inflation, negativen Realzinsen und gezielten Eingriffen bei Wechselkursen und Zinsen – bis hin zu Kapitalverkehrskontrollen oder Konzepten wie dem „Mar-a-Lago-Accord“, der Zwangsabgaben auf ausländische Kapitalanlagen vorsieht. „Für professionelle Anleger mit US-Engagement ist somit jetzt ein guter Zeitpunkt, um essentielle Portfolio-Risiken kritisch zu prüfen“, betont Rapp. Insbesondere Dollar-, Zins-, Liquiditäts- und Eigentumsrisiken in den USA sollten gezielt analysiert und systematisch bewertet werden, so das Fazit des FERI Cognitive Finance Institute.
Der bereits im September 2026 veröffentlichte Cognitive Comment „Das Dollar-Dilemma: Schuldenfalle, Finanzrepression und digitales Geld – Powerplay um die Zukunft des US-Finanzsystems“ der Bad Homburger Denkfabrik der FERI-Gruppe gibt professionellen Investoren einen umfassenden Überblick über Schuldendynamik, Geldpolitik und digitale Währungen in den USA und unterstützt sie bei der Bewertung künftiger Chancen und Risiken. Die Analyse steht im Download-Bereich dieser Seite zur Verfügung.
Managing Director Corporate Communications
Head of Communications & Spokesperson