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Märkte Bad Homburg , 09.01.2026 von Horst Gerstner

Multi Asset-Ausblick Teil 7 – Volatilität 2026: Ruhige Märkte, hohe Unsicherheit – Volatilitätsstrategien interessant

Multi Asset-Ausblick Teil 7 – Volatilität 2026: Ruhige Märkte, hohe Unsicherheit – Volatilitätsstrategien interessant
  • Vergangenes Jahr trotz zahlreicher Risiken ungewöhnlich niedrige Volatilität
  •  Gemessen an den Unsicherheiten wenig Risiko eingepreist
  • Volatilitätsstrategien gewinnen im Portfoliokontext an Bedeutung

Das Umfeld für Volatilitätsstrategien präsentiert sich mit Blick auf 2026 aus Sicht von FERI positiv. Entsprechende Strategien basieren darauf, dass die von Marktteilnehmern erwartete (implizite) Volatilität historisch meist über der tatsächlich eintretenden (realisierten) Volatilität liegt. Anleger sind bereit, für Absicherungen gegen unerwartete Marktbewegungen zu zahlen, selbst wenn diese am Ende ausbleiben. „Wer systematisch Optionen verkauft, kann diese Prämie vereinnahmen“, erklärt Horst Gerstner, Head of Volatility Strategies bei FERI. Zur Begrenzung von Extremrisiken werden gleichzeitig Absicherungen vorgenommen, um extreme Verluste abzufedern.

Schere in der Risiko-Wahrnehmung

Im April 2025 stieg die Volatilität am Aktienmarkt deutlich an, nachdem US-Präsident Donald Trump am von ihm so genannten „Liberation Day“ umfassende Zölle angedroht hatte. In der zweiten Jahreshälfte zeigte sich das Volatilitätsumfeld angesichts zahlreicher potenzieller Risiken jedoch überraschend gelassen: Der Volatilitätsindex VIX notierte im unteren Bereich seiner historischen Handelsspanne. Steigende geopolitische Spannungen, strukturelle Inflationsrisiken, fiskalische Unsicherheiten und eine zunehmende politische Polarisierung sprechen jedoch dafür, dass dieser Zustand nicht dauerhaft ist und die Schwankungen – wie infolge des Liberation Days – jederzeit zunehmen können. Gerstner sieht eine auffällige Diskrepanz: „Die sehr hohe Differenz zwischen der politischen Unsicherheit einerseits und der tatsächlichen Volatilität zeigt eine signifikante Schere zwischen der Wahrnehmung von Unsicherheit in der Realwirtschaft und unter den Marktteilnehmern.“ Mit anderen Worten: Gemessen an den globalen Unsicherheiten preisen die Märkte derzeit ungewöhnlich wenig Risiko ein (vgl. Grafik 1).

Ein genauerer Blick zeigt zugleich, dass der Aufschlag der impliziten gegenüber der realisierten Volatilität erhöht ist: Käufer von Absicherungen sind angesichts der zahlreichen Unsicherheiten bereit, eine vergleichsweise hohe Prämie zu zahlen. Für Optionsstrategien, deren Ertragspotenzial wie beschrieben auf der Differenz zwischen impliziter und realisierter Volatilität beruht, bietet dieses widersprüchliche Umfeld Chancen.

Diversifizierender Portfoliobaustein

Auch aus Portfoliosicht gewinnen Volatilitätsstrategien an Relevanz. Die Phase, in der Portfolios stark von einer stabil negativen Korrelation zwischen Aktien und Anleihen profitiert haben, ist seit 2020/2021 weniger verlässlich geworden (vgl. Grafik 2). Diversifikationseffekte können dadurch schwächer ausfallen. „Volatilitätsstrategien können in diesem Umfeld dazu beitragen, über einen längeren Zeitraum die Rendite zu diversifizieren“, erklärt Christoph Sporer, Direktor Portfolio Management im Volatilitäts-Team von FERI. „Auch als Alternative zu High-Yield-Anleihen können Volatilitätsstrategien aktuell interessant sein, insbesondere wenn High-Yield-Spreads wenig Puffer für zusätzliche Risiken lassen.“

Für 2026 kommt ein mögliches Zinsszenario hinzu: Sollten Renditen wieder steigen, etwa durch erneut anziehende Inflation, geraten Anleihen mit längerer Laufzeit tendenziell unter Druck. „Solange es nicht zu großen Turbulenzen am Kapitalmarkt kommt, können Volatilitätsstrategien in einem solchen Umfeld sogar einen Beitrag zur Stabilisierung der Erträge leisten“, sagt Sporer.


Autoren
Gerstner Horst
Horst Gerstner

Head of Volatility Strategies & Lead Portfolio Manager

Sporer Christoph
Christoph Sporer

Director Volatility Strategies, Client Portfolio Manager

Pressekontakt
Schlerf Roger
Roger Schlerf

Managing Director Corporate Communications

Eggert Marenka
Marenka Eggert

Senior Manager Press and Multi-Channel Communications