FERI Markets Update August 2026 - KI-Investitionen treiben Gewinne – und Zinsen
- Starke Gewinndynamik: Erträge aus dem KI-Boom schützen Aktien vor negativen Effekten hoher Zinsen
- Konkurrenz um Kapital: Finanzierungsbedarf von Staaten und KI-Unternehmen treibt Anleiherenditen
- Ausgewogener Zinsausblick: Anhaltender Kapitalbedarf stützt Renditen, hohe Realzinsen begrenzen
Aufwärtspotenzial
Die starke Gewinnentwicklung, maßgeblich angetrieben durch den KI-Boom, bleibt die wesentliche Stütze der Aktienmärkte, die sich trotz der bereits sehr starken Performance seit Jahresbeginn weiterhin robust zeigen. Die Wachstumsdynamik der Unternehmensgewinne ist selbst bereinigt um Sondereffekte auf einem Mehrjahreshoch und gewinnt zunehmend an Breite. Gleichzeitig sorgen gut gefüllte Auftragsbücher für eine hohe Ertragssicherheit und sprechen für eine Fortsetzung der positiven Entwicklung.
Auffällig ist, dass der KI-Boom in eine neue Phase eingetreten ist. Während die enormen Investitionen zuvor
weitgehend aus den laufenden Cashflows der Hyperscaler finanziert werden konnten, gewinnen Fremd- und
Eigenkapital sowie zunehmend auch „kreative“ Finanzierungsstrukturen an Bedeutung. Dank ihrer starken Bilanzen und hohen Bonität dürfte die notwendige Kapitalmobilisierung vorerst problemlos gelingen, sodass die mittelfristige Finanzierung des KI-Booms gesichert bleibt.
Damit tritt jedoch zunehmend ein unerwünschter Nebeneffekt zutage: Der steigende Kapitalbedarf der häufig
hochbonitären Unternehmen trifft auf einen ebenfalls stark wachsenden Finanzierungsbedarf der Staaten, die zur Deckung hoher und weiter steigender Defizite immer mehr Anleihen ausgeben müssen. Unternehmen und Staaten konkurrieren damit zunehmend um dasselbe Kapital. Der daraus resultierende Aufwärtsdruck auf Nominal- und Realzinsen ist eine logische Konsequenz. Insbesondere am langen Ende der Zinskurve haben die Renditen inzwischen Niveaus erreicht, die seit Jahrzehnten nicht mehr zu beobachten waren.
Da die hohe Kapitalnachfrage von Unternehmen und Staaten vorerst bestehen bleiben dürfte, ist mit einem raschen Nachlassen des Zinsdrucks nicht zu rechnen. Gleichzeitig erscheint ein weiterer zügiger Zinsanstieg zunehmend unwahrscheinlich. Die mittlerweile historisch hohen Realzinsniveaus sorgen für attraktive Bewertungen am Anleihemarkt und dürften sukzessive zusätzliches Investoreninteresse anziehen.
In einem normalen konjunkturellen Umfeld wäre ein derart restriktives Zinsniveau ein erheblicher Bremsklotz für die Aktienmärkte. Aktuell wird jedoch der negative Zinseffekt durch die außergewöhnlich starke Gewinndynamik überkompensiert. Solange diese hohe Gewinndynamik anhält, dürfte das Zinsumfeld daher zwar ein Belastungsfaktor bleiben, die positive Entwicklung der Aktienmärkte aber vorerst nicht in Frage stellen.
Head of Asset Allocation
Head of Communications & Spokesperson
Managing Director Corporate Communications