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Rede von Michael Stammler zur Eröffnung des Festaktes der Verleihung des Feri Stiftungspreises 2010 am 9. Juni 2010 im Kaisersaal des Frankfurter Römers


Sehr geehrter Herr Präsident Trichet,
sehr geehrte Damen und Herren Stifterinnen, Stifter,
Stiftungswillige und dem Stiftungswesen verbundene Persönlichkeiten,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete und Stadtverordnete,
Vertreter von Religionsgemeinschaften und Behörden,

ich heiße Sie zur fünften Feri Stiftungspreis-Verleihung in diesem wunderbaren und ehrwürdigen Kaisersaal ganz herzlich willkommen. Ich danke der Frau Oberbürgermeister für die Überlassung ihrer guten Stube für diesen schönen Anlass und ich danke Herrn Stadtrat Frank für den freundlichen Willkommensgruß. Wir freuen uns und sind stolz, mit dem Feri Stiftungspreis hier sein zu dürfen.

Ebenso stolz sind wir auf den diesjährigen Schirmherren der Verleihung, den ich ganz herzlich begrüße, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. Wir nehmen es nicht als Selbstverständlichkeit hin, dass Sie es in diesen schwierigen Zeiten tatsächlich geschafft haben, zu uns hierher zu kommen.

Das politische Geschäft ist kein leichtes in diesen Tagen, schon gar nicht an so exponierter Stelle wie der Ihren. Klare Entscheidungen und klare Worte sind einerseits gefragt und andererseits schwerer zu setzen denn je. Der Spagat zwischen der wachsenden Komplexität der ethischen, technologischen, medizinischen, ökologischen und ökonomischen Fragestellungen einerseits und der von den Medien erwarteten Headline-Kompatibilität der Politiker-Aussagen andererseits wird immer aufreibender und anstrengender. Wir haben gerade in den letzten Wochen einige resignieren sehen.

In solch schwieriger Zeit brauchen die europäischen Gesellschaften eine gute Geberkultur, kommt Stiftern und Stiftungen besondere Bedeutung zu – den vermögenden Menschen, die in der Lage und bereit sind, Themen tatkräftig anzugehen und zu bewegen, eben jenem Schlage Menschen, den wir mit dem Feri Stiftungspreis ansprechen, dem wir Anregung und Impuls geben wollen und der hier heute überdurchschnittlich stark repräsentiert ist.

Diese Geberkultur ist Deutschland – zumindest im Vergleich mit angelsächsischen Ländern - immer abgesprochen worden - wie sich heute zeigt zu Unrecht. Denn die Zahl der Neugründungen von Stiftungen ist nicht, wie man hätte erwarten dürfen, rückläufig. Vielmehr hält der Stiftungsboom an, obwohl die Krise manches Vermögen ordentlich hat schrumpfen lassen. Stifter und Stiftungswillige ergreifen mehr und mehr die Initiative in Europa und kompensieren teilweise die finanziellen, vor allem aber die Entscheidungsdefizite der Politik.

Dieser Trend wird weiter zunehmen und mit ihm der Einfluss auf die Entwicklung unserer Gemeinwesen. Das ist auf den ersten Blick gut, weil es sie lebendig und dynamisch hält. Allerdings dürfen die oligarchischen Züge, die diese Entwicklung trägt, nicht unbeachtet bleiben. Das politische System, die politischen Kulturen Europas werden sich in den nächsten Jahren nachhaltig verändern – und zwar vor allem beeinflusst durch die Stiftungslandschaft.

Auf Ihnen, auf uns allen hier, die dem Stiftungswesen verbunden sind, lastet eine große Verantwortung. Stifter sind leidenschaftliche Kämpfer für ihre Ziele, aber sie haben keine Verpflichtung zu Gerechtigkeit und Ausgewogenheit. Sie haben keine demokratische Legitimation und unterziehen sich auch keiner demokratischen Evaluation. Dessen müssen wir uns bewusst sein und die Macht, die Stiftungen als Instrument der gesellschaftlichen Gestaltung bieten, mit Klugheit einsetzen.

Gerechtigkeit im politischen Sinne kann eine Stiftungslandschaft nur als ganze, als Einheit leisten. Deshalb kommt auch der Selbstorganisation der Stiftungen, den Verbänden eine wachsende Bedeutung zu als behutsamem, ausgleichendem Impulsgeber und Steuerer. Ich freue mich deshalb auch ganz besonders über die Anwesenheit von Prof. Dr. Hans Fleisch, dem Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, und von Dr. Christoph Degen, dem Geschäftsführer von ProFonds, dem Dachverband gemeinnütziger Stiftungen der Schweiz. Herrn Dr. Degen danke ich zudem, stellvertretend für alle Juroren, für sein Mitwirken bei der Auswahl des besten Preisträgers für den Feri Stiftungspreis 2010. Die Jury hatte in diesem Jahr wieder eine ganz besonders schwierige Aufgabe zu absolvieren. Sie hat sie – nach meiner Meinung – ausgezeichnet gelöst.

Wir haben den Stiftungspreis in diesem Jahr zum ersten Mal nicht nur in Deutschland ausgeschrieben. Die Veranstaltungen rund um den Feri Stiftungspreis haben sich in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Plattform des Austauschs zwischen Stiftungen entwickelt. Wenn Stiftungen stärker gesellschaftliche Aufgaben wahrnehmen, muss der Austausch zwischen ihnen international werden, damit nicht neue Verwerfungen und Klüfte zwischen den Gesellschaften Europas entstehen. Einen Anfang dazu haben wir gemacht und wir freuen uns, dass die Stiftungen in der Schweiz dieser Einladung in so großer Zahl gefolgt sind.

Aus dem Stand heraus machen die Bewerbungen aus der Schweiz ein Viertel aller Bewerberstiftungen aus. Und es waren ganz hervorragende Stiftungen dabei. Immerhin zwei von ihnen, die Fondazione Dimitri und die Stiftung MyHandicap sind unter den Nominierten, die Ihnen Herr Dr. Lautenschläger gleich noch vorstellen wird. Das macht uns Mut für weitere Schritte nach Europa.

Aber bleiben wir zunächst im Hier und Jetzt und freuen wir uns auf gute Reden und gute Musik und vor allem auf tolle Nominierte und eine hervorragende Preisträgerstiftung. Der Preisträger des letzten Jahres war die Martin-Görlitz-Stiftung für Energie, Umwelt und Soziales. Ich bitte nun deren Stifter, Herrn Martin Görlitz, auf die Bühne: Er will uns sagen, wie sich der Feri Stiftungspreis auf die Projekte seiner Stiftung ausgewirkt hat.

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